Ist das ein gutes Buch? Robert Littell (7): Der Töpfer, 1986

Robert Littell: Der Töpfer (The sisters). – München: Goldmann, 1986. – Neu aufgel. u.d.T.: Tod und Nacht. – München: Knaur, 2005.

Die beiden CIA-Agenten Francis und Carroll, genannt die „Schwestern“ (nach einem Gedicht mit dem Titel „Die Schwestern Tod und Nacht“), haben nur eine – undurchsichtige – Aufgabe: Sie sollen Komplotte schmieden. Da sie schon lange keinen größeren Coup mehr gelandet haben und langsam aufs Altenteil geschoben werden sollen, tüfteln sie etwas aus, wovon, so behaupten sie jedenfalls großspurig, noch die ganze Welt sprechen wird. Damit ihr Plan gelingt, brauchen sie jemanden, der nicht weiß, daß er in ihren Diensten handelt: Einen in die USA eingeschleusten sowjetischen Schläfer, der einen scheinbar von den russischen Geheimdiensten ausgearbeiteten Auftrag ausführen soll. Wie aber kommt man an einen solchen heran? Man verhilft dem ehemaligen und inzwischen in Ungnade gefallenen Ausbilder der Schläfer Felix Arkantewitsch, genannt der „Töpfer“, zum Überlaufen in den goldenen Westen – und nötigt ihn zur Preisgabe der Daten seines besten Schülers und Freundes. Der Töpfer wundert sich nur ein wenig darüber, wieso die eigenen Agenten ihn so bereitwillig durch ihr Netz rutschen lassen, und versucht, seinen von ihm verratenen Freund zu warnen – zu dem Zeitpunkt kann er noch nicht wissen, daß auch die Russen ein großes Interesse am Gelingen des Plans der Schwestern haben.

Was in der Zusammenfassung vielleicht kompliziert klingt, erschließt sich im Buch folgerichtig und mit Bedacht, ein Wechselspiel gegenseitiger zynischer Manipulationen ohne Rücksicht auf Menschenleben, Moral oder Konsequenzen führt schließlich dazu, daß ein hoher amerikanischer liberaler Politiker liquidiert wird. Wer das ist, wird schnell klar, obwohl Littell den Namen nicht einmal nennt, der Goldmannverlag ist sich allerdings nicht zu blöde, auf den Umschlag zu schreiben: „Der Schlüsselroman zur Ermordung John F. Kennedys.“ Aber gerade darauf kommt es Littell gar nicht an: Er will die Strukturen aufzeigen, in denen so etwas passiert (und immer wieder passieren kann!), und nicht historische Wahrheiten behaupten. Es hätte so passiert sein können – wer sich genauer für die immer noch nicht restlos aufgeklärte Ermordung Kennedys interessiert, sollte besser den Roman „7 Sekunden“ von Don DeLillo lesen.
Der Roman  „Der Töpfer“ hat nicht ganz das Tempo seines Vorgängers, aber die Figuren stimmen und vor allem der Ton: Im inzwischen gewohnt ironischem und bissigem Stil geschrieben ist es ein Vergnügen, den Weg der Protagonisten bis zum pessimistischen Ende zu verfolgen.

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