Ist das ein gutes Buch? Robert Littell (8): Roter Winter, 1988

Robert Littell: Roter Winter (The revolutionist). – München: Goldmann, 1990

Alexander „Sander“ Til, Sohn russischer Einwanderer, wird im Jahre 1917 in den Vereinigten Staaten vom FBI wegen anarchistischer Propaganda gesucht. Er schließt sich dem gerade auf Vortragsreise tourenden Trotzki an und begleitet ihn zurück nach Rußland, wo gerade die Revolution ausgbrochen ist. Er lernt Lenin und Stalin und all die anderen Bolschewisten kennen, kämpft an ihrer Seite gegen die Weißrussen, erlebt alle Gräuel des Bürgerkrieges, leidet unter dem weißen und später unter dem roten Terror, verliert seine große Liebe, überlebt knapp die stalinistischen „Säuberungsaktionen“ und ist zum guten Schluß maßgeblich an der Einführung der sogenannten Tauwetterperiode durch Chrustschow beteiligt.

Kampf, Liebe, Freundschaft und ihr Verrat, ebenso der Verrat einstiger Ideale, Mißwirtschaft, Korruption und Tod – das sind die Themen dieses großangelegten historischen Romans über die russische Revolution, der leider so mies geschrieben ist, daß es eine Qual ist, die über 400 eng bedruckten Seiten durchzuhalten, allenfalls unfreiwilliger Humor muntert einen manchmal ein bißchen auf. Dieser Roman ist sprachlich und stilistisch absoluter Schund. Kleines Beispiel gefällig? „Sander setzte sich dicht neben sie auf den Boden und merkte plötzlich, daß er auf ihre Brüste unter dem Khakihemd starrte, die sich ruhig hoben und senkten. Plötzlich erkannte er, daß sie sinnlich war, ohne dessen gewahr zu sein – so sinnlich wie Schnee oder die wellige Flut eines seichten Baches. Ihn übermannte das Verlangen, ihre Kühle zu fühlen und ihre Feuchtigkeit zu kosten. Ohne nachzudenken griff er zu und machte den nächsten Knopf ihres Hemdes auf. Ihre Augen öffneten sich jäh. Sie benetzte mit der Zunge ihre Oberlippe. […]“ usw.
„Ich wollte darauf hinweisen, wie das größte politische Experiment des zwanzigsten Jahrhunderts gründlich mißlang“, schreibt der Autor im Nachwort. Gründlich mißlungen ist leider auch dieser Roman.

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Ist das ein gutes Buch? Robert Littell (8): Roter Winter, 1988

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