Ist das ein gutes Buch? Robert Littell (10): Moskau, mon amour, 1991

Robert Littell: Moskau, mon amour (An agent in place). München: Goldmann, 1991.

Moskau, Ende der 80er Jahre des lezten Jahrhunderts, Glasnost und Perestroika sind die Schlagwörter der Zeit. Der Amerikaner Ben Bassett arbeitet als Botschaftsangehöriger in der Rüstungskontrollkommission in untergeordneter Stelle, hat aber gleichzeitig einen Geheimauftrag, von dem selbst seine Vorgesetzten nichts wissen: Im Auftrag der CIA tilgt er aus Depeschen die Spuren gewisser vergangener Geheimoperationen und zieht dabei nicht nur die Neugier des hauseigenen Sicherheitsdienstes, sondern auch höchstes Interesse des KGB auf sich. Als Bassett sich in die dissidente Dichterin Aida Iwanowna Sawaskaja verliebt, sieht der KGB seine Chance: Der Sohn der Dichterin leidet an Leukämie und ist nur überlebensfähig, wenn er lebenswichtige westliche Medizin zugeteilt bekommt – das ist der Hebel, den die russischen Agenten erpresserisch ansetzen. Erst gibt Bassett nur unbedeutende Informationen preis, doch der KGB ist unersättlich, und das Schicksal scheint seinen Lauf zu nehmen … scheint, denn im Laufe der Geschichte bekommt alles eine andere Wendung als erwartet.

Der Plot, den Littell hier entwickelt, ist prima: Überraschend, spannend, folgerichtig, überzeugend. Das Ende des kalten Krieges durch die schrittweise Auflösung der Sowjetunion und angestrebter fortschreitender Demokratisierung der gesellschaftlichen Verhältnisse findet Gegner in Ost und West, natürlich vor allem in den Institutionen, die bisher von der alten ideologischen Feindschaft profitiert haben – in den Geheimdiensten und dem Militär. So kommt es zu der absurd anmutenden Erkenntnis, daß CIA und KGB die selben Ziele verfolgen und vor keinem noch so brutalem Menschenopfer zurückschrecken. Was die Freude an dem Roman ein wenig dämpft, sind die Figuren: Die „Bösen“ sind wie immer bei Littell wunderbar gelungen, spöttisch und ironisch versteht er es, die Abgründe persönlicher Eitelkeiten mit fragwürdigen politischen Zielen in Personen glaubhaft lebendig werden zu lassen. Die „Helden“ dagegen – oh je! Ben Bassett bleibt völlig blass, ein Mann von fadenscheinigen Eigenschaften, und die Figur der engagierten Dichterin Sawaskaja ist Kitsch hoch drei, eine Konstruktion von dem, was der Autor für edel und gut hält. Bäh!  

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Ist das ein gutes Buch? Robert Littell (10): Moskau, mon amour, 1991

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