Ist das ein gutes Buch? Robert Littell (12): Die Company, 2002

Robert Littell: Die Company (The company). – München: Knaur, 2004

Neun Jahre liegen zwischen dem Buch „Die Company“ und dem letzten davor, vielleicht ist das der Grund dafür, daß wir einen 1000-Seiten-Roman vor uns liegen haben. Um so enttäuschender ist es, daß Littell die lange Zeit nicht auch dafür genutzt hat, die Geschichte der CIA – denn das ist die titelgebende Company – in dem kritischen Licht darzustellen, in das sie zweifellos gehört. Kann man einem Autor vorwerfen, daß er nicht das Buch geschrieben hat, das man gerne gelesen hätte? In diesem Falle ja, denn es ist ein historischer Roman, der die Zeit seit dem zweiten Weltkrieg und die Entwicklung der Geheimdienste anhand tatsächlicher Ereignisse bis zum Zerfall der Sowjwtunion darstellt, und neben rein fiktivem Personal treten auch viele (in ihren konkreten Alltagshandlungen freilich fiktionalisierten) Personen der Zeitgeschichte auf.
Die Helden (CIA-Agenten) des Romans und ihre meist bösen Gegenspieler (KGB-Agenten) bleiben allesamt flach, Persönlichkeit, Charakter, Freundschaft – alles wird behauptet und bleibt so oberflächlich wie ein bloßer, manchmal kitschig angehauchter Bericht. Natürlich gibt es auf beiden Seiten Moralisten und Hardliner ebenso wie legale und illegale Projekte, jedoch ist es den Agenten aus dem Reich des Bösen überlassen, besonders brutale und skrupellose Verhaltensweisen an den Tag zu legen, während unsere Jungs von der CIA auch mal hart hinlangen, aber sich wenigsten Gedanken darüber machen, ober der Zweck (also Freiheit und Demokratie vs. Kommunismus) wirklich alle Mittel heiligt, ansonsten aber die Nice Guys sind, die Mütter sich für ihre Töchter wünschen. Littel beschränkt sich hauptsächlich auf folgende geschichtlichen Ereignisse: Der Ungarnaufstand 1956, der (unter der Hand von der CIA gelenkte) Versuch von Exilkubanern 1961, in der kubanischen Schweinebucht zu landen, um Fidel Castro zu stürzen, die CIA-Unterstützung der afghanischen Mudschahedin gegen die Sowjetunion seit Ende der 70er Jahre und die Ereignisse um den Putsch gegen Gorbatschow im Jahre 1991. Littell stellt die Rolle der CIA durchaus nicht nur positiv dar, aber immer so, daß wir Verständnis aufbringen sollen: So waren die Zeiten nun einmal, man ist an Sachzwänge gebunden, und schließlich: Wir sind die Guten! Es ist doch gar nicht so schwer, herauszufinden, was für Sauereien die CIA sonst noch so gemacht hat in ihrer langen Geschichte (hier nachzulesen): Drogenhandel (selbst innerhalb der eigenen Landesgrenze), Waffenhandel, Geldwäsche in großem Stil, Auftragsmorde, Putsche gegen demokratisch legitimierte Regierungen (z.B. Chile) und und und! In diesem humor-und ironiefreien Roman ist davon so gut wie nichts zu lesen.
Ist Littell altersmilde geworden? Senil gar? Glaub ich nicht – vielleicht ist seine Nachsicht mit den kriminellen Machenschaften der CIA eine Folge von 9/11, aber das ist reine Spekulation.
Zusammengefaßt: Dieser Roman ist leidlich spannend, eindeutig zu oberfächlich und an seinem Anspruch als historischer Roman gescheitert. Schade.

Werbeanzeigen
Ist das ein gutes Buch? Robert Littell (12): Die Company, 2002

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google Foto

Du kommentierst mit Deinem Google-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s

This site uses Akismet to reduce spam. Learn how your comment data is processed.