Wo liegt Absurdistan? (6)

Vor kurzem war im Internet zu lesen, daß schwedische Feministinnen das Recht auf Barbusigkeit fordern. Die weibliche Brust solle nicht mehr als Geschlechtsmerkmal betrachtet werden, die männliche sei ja auch keins.
Nachdem ich mich vergewissert hatte, daß der 1. April noch weit entfernt ist, begann ich langsam zu verstehen: Die Frauen finden es ungerecht, daß sie sich in einer Form bedecken und ankleiden müssen, wie es kein Mann nötig hat, nur weil deren sexistische Triebe es angeraten scheinen lassen. Die Sexualisierung des weiblichen Körpers führe zu Geschlechtsdiskriminierung z.B. im Schwimmbad und an anderen öffentlichen Plätzen, so die Aktivistinnen von „Blanka Bröst“ (i.e. „Bara Bröst“).

Ich kann mich daran erinnern, daß schon mal junge Frauen im Zuge der allgemeinen Befreiung von gesellschaftlichen Zwängen Ende der 60er, Anfang der 70er öffentlich ihre BHs verbrannten, und ich weiß noch, daß ich als pubertierender Jüngling gar nichts dagegen hatte – die weibliche Brust war aber deswegen für mich nicht weniger sexualisiert.
Und so kenne ich auch hauptsächlich Männer, die den Forderungen der schwedischen Feministinnen offen gegenüberstehen würden, allerdings aus anderen, nämlich geil-voyeuristischen Motiven.

So notwendig es auch ist, die Gleichstellung von Frau und Mann in allen, wirklich allen Bereichen voranzutreiben, es bringt wohl nichts, über Jahrhunderte gewachsene Tabus von einem Tag auf den anderen radikal umzustürzen in dem Glauben, sie hätten dann keine Wirkung mehr. Wie absurd einem allerdings die Vorstellung vorkommt, die Hälfte der Frauen würden an einem heißen Sommertag barbusig durch die Innenstadt flanieren, zeigt nur, wie fest verankert die Geschlechterkonstruktionen in unseren Köpfen und Empfindungen sind. Darauf hinzuweisen ist alles andere als absurd, daher ist die Forderung der schwedischen Aktivistinnen durchaus und ernsthaft diskussionswürdig.

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Wo liegt Absurdistan? (6)

12 Gedanken zu “Wo liegt Absurdistan? (6)

  1. Wenn Du den ganzen Tag die ganze Woche von barbusigen Damen umgeben bist, schaust Du gar nicht mehr drauf. Es gehört sehr schnell zum Alltag. In Naturvölkern ist die weibliche Brust überhaupt nicht sexualisiert. Das wurde sie bei uns erst durch die Kirche.

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    1. Stimmt – im Mittelalter wurden eine zeitlang Marienfiguren in wallenden Gewändern dargestellt, um zu verhindern, daß man bemerkt, daß Maria überhaupt einen Körper hat. Der Körper, vom Kopf abgesehen, galt per se als sündig.

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  2. Nach Absurdistan mußt Du an der dritten Ampel links, die vierte rechts, 349 m geradeaus, dann halbschräg links und so lange der Nase nach, bis Du entdeckst, daß die Erde eine Scheibe ist und Du hinunterfällst.

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  3. Die Aktivistinnen heißen aber nicht wirklich „Blanka Bröst“ oder??? Der Name ist absolut geil, der entspricht allen sprachlichen Klischees, die wie über die skandinavischen Sprachen haben!
    Klasse Einträgt!

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      1. In vielen Zeitungsmeldungen und auch auf web.de (meine Quelle) wurde von „Blanka Bröst“ geredet, richtig ist tatsächlich „Bara Bröst“, die sogar ein eigenes Blog haben, allerdings in Smörebröd-Sprache (puh – noch mal Glück gehabt, nicht mein Fehler diesmal 😉

        LG

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