Westerwelle: "Das muß man in Deutschland noch sagen dürfen."

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Westerwelle: "Das muß man in Deutschland noch sagen dürfen."

Hartz-IV-Land = Schlaraffenland?

„Wer dem Volk anstrengungslosen Wohlstand verspricht, lädt zu spätrömischer Dekadenz ein.“
Guido Westerwelle, Bundesaußenminister und Vizekanzler

Hm – wie haben wir uns das vorzustellen – Szenen wie aus dem Film „Das große Fressen“ von 1970? 24 Stunden am Tag saufen, fressen und Sex? Könnte anstrengend werden. Feiern bis zum Umfallen wie auf dem Rubens-Bild „Bacchanal“? Das ist aber sehr ungesund. Danke, Guido, für die Warnung! Nee – was die 6,7 Millionen Hartz-IV-Empfänger aber auch alles durchmachen müssen, da geh ich lieber meiner Lohnarbeit nach.

„Die spätrömische Dekadenz bestand darin, daß die Reichen nach ihren Freßgelagen sich in Eselsmilch gebadet haben und der Kaiser Caligula einen Esel zum Konsul ernannt hat. Insofern stimmt Westerwelles Vergleich: Vor 100 Tagen ist ein Esel Bundesaußenminister geworden.“
Heiner Geißler, Ex-CDU-Generalsekretär

Hartz-IV-Land = Schlaraffenland?

Wo liegt Absurdistan? (7)

Mit diesem Bild („Venus“) von Lucas Cranach d.Ä. von 1532, als Poster vergrößert (das Original ist nur 37 x 24 cm groß), wirbt die „Royal Academy of Arts“ in London für eine Ausstellung des Künstlers – allerdings nicht mehr in den U-Bahnhöfen: Die Verantwortlichen der Verkehrsbetriebe sind der Meinung, die Reisenden müßten angesichts der Nacktheit der Dame „vor Verstörung“ geschützt werden.

Stimmt: Die Proportionen der Dame entsprechen nicht mehr den von der Werbung sonst favorisierten Darstellungen weiblicher Nacktheit, um Autos und andere Lifestyleprodukte zu verkaufen. Ich bin selbst ganz verwirrt.

Quelle: taz, 15.02.08

Wo liegt Absurdistan? (7)

Wo liegt Absurdistan? (6)

Vor kurzem war im Internet zu lesen, daß schwedische Feministinnen das Recht auf Barbusigkeit fordern. Die weibliche Brust solle nicht mehr als Geschlechtsmerkmal betrachtet werden, die männliche sei ja auch keins.
Nachdem ich mich vergewissert hatte, daß der 1. April noch weit entfernt ist, begann ich langsam zu verstehen: Die Frauen finden es ungerecht, daß sie sich in einer Form bedecken und ankleiden müssen, wie es kein Mann nötig hat, nur weil deren sexistische Triebe es angeraten scheinen lassen. Die Sexualisierung des weiblichen Körpers führe zu Geschlechtsdiskriminierung z.B. im Schwimmbad und an anderen öffentlichen Plätzen, so die Aktivistinnen von „Blanka Bröst“ (i.e. „Bara Bröst“).

Ich kann mich daran erinnern, daß schon mal junge Frauen im Zuge der allgemeinen Befreiung von gesellschaftlichen Zwängen Ende der 60er, Anfang der 70er öffentlich ihre BHs verbrannten, und ich weiß noch, daß ich als pubertierender Jüngling gar nichts dagegen hatte – die weibliche Brust war aber deswegen für mich nicht weniger sexualisiert.
Und so kenne ich auch hauptsächlich Männer, die den Forderungen der schwedischen Feministinnen offen gegenüberstehen würden, allerdings aus anderen, nämlich geil-voyeuristischen Motiven.

So notwendig es auch ist, die Gleichstellung von Frau und Mann in allen, wirklich allen Bereichen voranzutreiben, es bringt wohl nichts, über Jahrhunderte gewachsene Tabus von einem Tag auf den anderen radikal umzustürzen in dem Glauben, sie hätten dann keine Wirkung mehr. Wie absurd einem allerdings die Vorstellung vorkommt, die Hälfte der Frauen würden an einem heißen Sommertag barbusig durch die Innenstadt flanieren, zeigt nur, wie fest verankert die Geschlechterkonstruktionen in unseren Köpfen und Empfindungen sind. Darauf hinzuweisen ist alles andere als absurd, daher ist die Forderung der schwedischen Aktivistinnen durchaus und ernsthaft diskussionswürdig.

Wo liegt Absurdistan? (6)

Wo liegt Absurdistan? (5)

„Die CDU-Politikerin Karin Wolff hat sich dafür ausgesprochen, die Schöpfungsgeschichte auch im Biologieunterricht zu behandeln. Das sei eine Chance für „eine neue Gemeinsamkeit von Naturwissenschaften und Religion“, sagte die hessische Kultusministerin. In einem Gespräch mit der „Frankfurter Allgemeinen Zeitung“ (FAZ) forderte sie am Freitag einen „modernen Biologieunterricht“, in dem auch die Grenzen naturwissenschaftlich gesicherter Erkenntnis von Welt und Menschen eine Rolle spielen sollten. Wolff, die früher selbst evangelische Religion unterrichtete, plädierte für fächerübergreifende und verbindende Fragestellungen bei den Themen der Herkunft des Menschen und der Bestimmung des Lebens. …“

„… Schon lange tobt vor allem in den USA ein Kulturkampf zwischen Forschern und Gottesfürchtigen: Die Kreationisten wollen die Schöpfungsgeschichte der Bibel wörtlich verstanden wissen. Sie streiten gegen die von Charles Darwin begründete Evolutionslehre und fordern eine Verankerung der Schöpfungsgeschichte im Schulunterricht – im Fach Biologie, nicht in Religion. Ihr Hauptargument: Bestimmte Eigenschaften von Lebewesen seien so komplex, dass sie mit der Evolution allein nicht erklärbar seien. Die radikalsten Fundamentalchristen („flat earthers“) glauben sogar, dass die Erde eine Scheibe ist. …“

„… Laut Umfragen glauben bereits 57 Prozent der Amerikaner und auch 22 Prozent der Briten an den Kreationismus. …“

Aus: Spiegel online vom 29.06.07

Wo liegt Absurdistan? (5)

Wo liegt Absurdistan? (4)

Jedes Formel-1-Rennen am Nürburgring in der Eifel bringt ein Minus von 10 Millionen Euro, für das der Betreiber, das Land Rheinland-Pfalz, aufkommen muß. Rein statistisch wird also jedes Ticket mit mehr als 100 Euro subventioniert. Die Kosten entstehen durch die hohen Antrittsgelder der Fahrer: Man kann doch wirklich nicht für ein Taschengeld von ihnen verlangen, sinnlos in einsitzigen Un-Nutzfahrzeugen bei lebensgefährlichen Geschwindigkeiten wieder und wieder umweltschädigend um die Runde zu fahren.
 
Natürlich setzt das Land Rheinland-Pfalz diesem verschwenderischen und unvernünftigen Treiben nun ein Ende: Alle Verträge werden gekündigt, daß Geld wird zukünftig sinnvoll und nachhaltig in der Region Eifel eingesetzt und der Nürburgring als Rennstrecke stillgelegt?

Weit gefehlt: Mit dem Argument, der strukturschwachen Region Eifel müsse auch weiterhin geholfen werden, nimmt man die finanzielle Belastung der Steuerzahler in Kauf und plant am Nürburgring die Errichtung einer Ereignisanlage mit Kosten um 150 Millionen Euro, mit dem langfristigen Ziel, den Verlust von 10 Millionen Euro pro Veranstaltung dann ausgleichen zu können. Die Anlage soll Anfang des nächsten Jahrzehnts fertig werden.

Quelle: ARD Nachtmagazin 21.07.07; focus-online 21.07.07

Wo liegt Absurdistan? (4)

Wo liegt Absurdistan? (3)

Die Firma paypal ist vermutlich besonders eBay-Kunden bekannt: Sie regelt den Zahlungsverkehr zwischen Käufer und Verkäufer. Der Käufer zahlt den fälligen Betrag an paypal, die dem Verkäufer dann Bescheid gibt, daß er die Ware losschicken kann, das Geld kann dann vom paypal-Konto aufs eigene Konto umgebucht werden. Da alle Beteiligten bei paypal angemeldet sind, verspricht der Vorgang eine schnelle und sichere Abwicklung.

Schwierig wird es allerdings bei „kleinen“ Beträgen unter 10 Euro, paypal verweigert den Zugriff und schreibt auf eine entsprechende Beschwerde:

„Sie haben die Möglichkeit, das Guthaben mit Ihrer nächsten Zahlung zu verrechnen. Eine Ausbuchung auf Ihr Bankkonto kann momentan nicht erfolgen, da der Mindestabhebebetrag 10,00 Euro beträgt. Alternativ besteht die Möglichkeit, den erforderlichen Differenzbetrag einzuzahlen, um dann den Gesamtbetrag abheben zu können. […]Bitte beachten Sie, dass es 3 bis 4 Arbeitstage dauern kann, bis der Betrag Ihrem PayPal-Konto gutgeschrieben wird.“

Und dann dauert es nochmal 3 bis 4 Tage, bis die ganze Summe auf dem Girokonto gutgeschrieben ist. Zusätzlich spart paypal – in ihrem Selbstverständnis als ausgezeichneter Dienstleister – nicht mit gutem Rat:

„Bitte helfen Sie uns, Verzögerungen zu vermeiden.“

Wo liegt Absurdistan? (3)