Ist das ein gutes Buch? Robert Littell (13): Die kalte Legende, 2005

Robert Littell: Die kalte Legende (Legends). – Frankfurt am Main: Scherz, 2006

In Geheimdienstkreisen bedeutet der Begriff „Legende“ eine Tarngeschichte für einen Agenten, die möglichst wasserdicht sein muß, um auszuspionierende Gruppen infiltrieren zu können. Ex-CIA-Agent Martin Odum hatte schon viele Legenden, dummerweise hat er aufgrund eines Traumas vergessen, wer er denn nun wirklich ist: Ist sein Name, sind seine Gewohnheiten und Abneigungen, seine Wesensart und Fähigkeiten seine eigenen, oder auch nur Teile einer Legende? Mindestens zwei weitere Identitäten sind ihm sehr präsent und schaffen sich manchmal Raum, obwohl sie ganz anders sind, als die Identität Martin Odum … Nun arbeitet er als Privatdetektiv, dem es ein angenehmer Gedanke ist, sich zu Tode zu langweilen, als ihm eine junge Frau den Auftrag erteilt, den verschollenen Mann ihrer strenggläubig-jüdischen  Schwester zu suchen: Die Ehe wurde nie vollzogen, und zur Scheidung muß der Mann die entsprechenden Papiere unterschreiben. Odum hat nicht viel Interesse an dem Fall, zumal er nach Israel reisen müßte, als aber seine Ex-Chefin ihm unerwarteterweise zu verstehen gibt, daß es zu seinem eigenen Besten sei, die Finger davon zu lassen, wird er neugierig – und nimmt den Auftrag an. Es beginnt eine abwechslungsreiche Odyssee durch halb Europa (London, Prag, Litauen, Moskau), die Geschichte wird immer vertrackter, alle möglichen Gruppen scheinen ihm neben der CIA nach dem Leben zu trachten. Langsam beginnt Martin Odum, sich zu erinnern …

Dieses Buch hat 2006 den Deutschen Krimipreis  erhalten – ich habe nicht genug Krimis im letzten Jahr gelesen, um beurteilen zu können, ob es nicht vielleicht noch bessere gegeben hat, dieser hier ist jedenfalls wirklich sehr sehr gut. Eine immer komplexer werdende Geschichte, die zum Schluß weltgeschichtliche Ereignisse zu erklären versucht, und trotzdem liest sie sich wie ein rasanter, mit Witz und Ironie geschriebener Abenteuerroman. Die Rückblicke, die die verschiedenen Legenden lebendig machen, sind kurzweilig, die Liebesgeschichte amüsant und nur wenig kitschig, und die Beschreibung der Skrupellosigkeit verbrecherischer Politiker und Machtmenschen wird durch den hohen Unterhaltungswert des Buches nie relativiert. Eine gute Geschichte mit aufklärerischer Aussage in einem lakonischen, perfekt ausbalancierten Ton erzählt – bravo!

Nur zum Schluß ein kleiner Wermutstropfen: Selbstjustiz, so gerechtfertigt sie auch zu sein scheint und zu deren Zustimmung Littell uns geneigt machen will, ist immer, immer reaktionär.

Advertisements
Ist das ein gutes Buch? Robert Littell (13): Die kalte Legende, 2005

Ist das ein gutes Buch? Robert Littell (12): Die Company, 2002

Robert Littell: Die Company (The company). – München: Knaur, 2004

Neun Jahre liegen zwischen dem Buch „Die Company“ und dem letzten davor, vielleicht ist das der Grund dafür, daß wir einen 1000-Seiten-Roman vor uns liegen haben. Um so enttäuschender ist es, daß Littell die lange Zeit nicht auch dafür genutzt hat, die Geschichte der CIA – denn das ist die titelgebende Company – in dem kritischen Licht darzustellen, in das sie zweifellos gehört. Kann man einem Autor vorwerfen, daß er nicht das Buch geschrieben hat, das man gerne gelesen hätte? In diesem Falle ja, denn es ist ein historischer Roman, der die Zeit seit dem zweiten Weltkrieg und die Entwicklung der Geheimdienste anhand tatsächlicher Ereignisse bis zum Zerfall der Sowjwtunion darstellt, und neben rein fiktivem Personal treten auch viele (in ihren konkreten Alltagshandlungen freilich fiktionalisierten) Personen der Zeitgeschichte auf.
Die Helden (CIA-Agenten) des Romans und ihre meist bösen Gegenspieler (KGB-Agenten) bleiben allesamt flach, Persönlichkeit, Charakter, Freundschaft – alles wird behauptet und bleibt so oberflächlich wie ein bloßer, manchmal kitschig angehauchter Bericht. Natürlich gibt es auf beiden Seiten Moralisten und Hardliner ebenso wie legale und illegale Projekte, jedoch ist es den Agenten aus dem Reich des Bösen überlassen, besonders brutale und skrupellose Verhaltensweisen an den Tag zu legen, während unsere Jungs von der CIA auch mal hart hinlangen, aber sich wenigsten Gedanken darüber machen, ober der Zweck (also Freiheit und Demokratie vs. Kommunismus) wirklich alle Mittel heiligt, ansonsten aber die Nice Guys sind, die Mütter sich für ihre Töchter wünschen. Littel beschränkt sich hauptsächlich auf folgende geschichtlichen Ereignisse: Der Ungarnaufstand 1956, der (unter der Hand von der CIA gelenkte) Versuch von Exilkubanern 1961, in der kubanischen Schweinebucht zu landen, um Fidel Castro zu stürzen, die CIA-Unterstützung der afghanischen Mudschahedin gegen die Sowjetunion seit Ende der 70er Jahre und die Ereignisse um den Putsch gegen Gorbatschow im Jahre 1991. Littell stellt die Rolle der CIA durchaus nicht nur positiv dar, aber immer so, daß wir Verständnis aufbringen sollen: So waren die Zeiten nun einmal, man ist an Sachzwänge gebunden, und schließlich: Wir sind die Guten! Es ist doch gar nicht so schwer, herauszufinden, was für Sauereien die CIA sonst noch so gemacht hat in ihrer langen Geschichte (hier nachzulesen): Drogenhandel (selbst innerhalb der eigenen Landesgrenze), Waffenhandel, Geldwäsche in großem Stil, Auftragsmorde, Putsche gegen demokratisch legitimierte Regierungen (z.B. Chile) und und und! In diesem humor-und ironiefreien Roman ist davon so gut wie nichts zu lesen.
Ist Littell altersmilde geworden? Senil gar? Glaub ich nicht – vielleicht ist seine Nachsicht mit den kriminellen Machenschaften der CIA eine Folge von 9/11, aber das ist reine Spekulation.
Zusammengefaßt: Dieser Roman ist leidlich spannend, eindeutig zu oberfächlich und an seinem Anspruch als historischer Roman gescheitert. Schade.

Ist das ein gutes Buch? Robert Littell (12): Die Company, 2002

Ist das ein gutes Buch? Robert Littell (11): Der Gastprofessor, 1993

Robert Littell: Der Gastprofessor (The visiting professor).- München: Goldmann, 1995. – Neuaufl. U.d.T.: Der Zufallscode. – München: Droemer Knaur, 2007.

Lemuel Falk, ein schrulliger russischer und weithin anerkannter Chaosforscher in seinen Fünfzigern, erhält wider Erwarten, vermutlich dank des schwindenden eisernen Vorhangs, die Erlaubnis, eine Gastprofessur an einem renommierten Institut im Staate New York, USA, anzutreten. Kaum angekommen in dem kleinen Ort, lernt er die Studentin Rain kennen, die zum Lebensunterhalt nebenbei einen kleinen Frisiersalon betreibt und mit Drogen handelt. Am Institut wird er mit offenen Armen empfangen, lernt Leute von ähnlich schrulliger Art kennen, fängt eine (durchaus glaubhafte) Liebesbeziehung mit Rain an, wird eine kleine Berühmtheit wegen seines absurd mutigen Einsatzes bei einer kleinen Demonstration gegen eine geplante atomare Mülldeponie, kann sich erfolgreich gegen das Ansinnen verschiedener Geheimdienste und der Mafia erwehren, die ihn zur Entschlüsselung von Geheimcodes beschäftigen wollen, und hilft zuguterletzt der örtlichen Polizei, einen Serienkiller dingfest zu machen.

Dies ist wieder mal ein satirischer Roman, ganz in der Tradition von „Pnin“ von Nabokov. Er geht gut los, viel Witz ergibt sich aus der Diskrepanz der Kulturen, besonders der sprachlichen Eigenheiten, und aus dem Thema, das den Roman wie ein roter Faden durchzieht: Gibt es den reinen, unverfälschten Zufall? Oder ist „jede Zufällgikeit eine Pseudo-Zufälligkeit und diese Pseudo-Zufälligkeit ein Fußabdruck des Chaos“? Ich muß gestehen: Mein Interesse dafür hält sich in Grenzen, und vielleicht liegt es daran, daß der Roman zur Mitte hin abflaut und gegen Ende danach schielen läßt, wie viele Seiten man denn noch zu bewältigen hat. Interessant ist, daß Littell hier zum ersten mal eine richtig gute starke Frauenfigur geschaffen hat: Rain, deren Hippie-Eltern sie mit vollem Namen Occasional Rain (=Strichweise Regen) genannt haben, ist eine ebenso komplexe Persönlichkeit wie Lemuel, Littell läßt beide kapitelweise aus der Ich-Perspektive erzählen, was ihm sprachlich sehr gut gelingt. Netter Roman – aber würde ich ihn auch einem guten Freund zum Geburtstag schenken? Nee, eher nicht.

Ist das ein gutes Buch? Robert Littell (11): Der Gastprofessor, 1993

Ist das ein gutes Buch? Robert Littell (10): Moskau, mon amour, 1991

Robert Littell: Moskau, mon amour (An agent in place). München: Goldmann, 1991.

Moskau, Ende der 80er Jahre des lezten Jahrhunderts, Glasnost und Perestroika sind die Schlagwörter der Zeit. Der Amerikaner Ben Bassett arbeitet als Botschaftsangehöriger in der Rüstungskontrollkommission in untergeordneter Stelle, hat aber gleichzeitig einen Geheimauftrag, von dem selbst seine Vorgesetzten nichts wissen: Im Auftrag der CIA tilgt er aus Depeschen die Spuren gewisser vergangener Geheimoperationen und zieht dabei nicht nur die Neugier des hauseigenen Sicherheitsdienstes, sondern auch höchstes Interesse des KGB auf sich. Als Bassett sich in die dissidente Dichterin Aida Iwanowna Sawaskaja verliebt, sieht der KGB seine Chance: Der Sohn der Dichterin leidet an Leukämie und ist nur überlebensfähig, wenn er lebenswichtige westliche Medizin zugeteilt bekommt – das ist der Hebel, den die russischen Agenten erpresserisch ansetzen. Erst gibt Bassett nur unbedeutende Informationen preis, doch der KGB ist unersättlich, und das Schicksal scheint seinen Lauf zu nehmen … scheint, denn im Laufe der Geschichte bekommt alles eine andere Wendung als erwartet.

Der Plot, den Littell hier entwickelt, ist prima: Überraschend, spannend, folgerichtig, überzeugend. Das Ende des kalten Krieges durch die schrittweise Auflösung der Sowjetunion und angestrebter fortschreitender Demokratisierung der gesellschaftlichen Verhältnisse findet Gegner in Ost und West, natürlich vor allem in den Institutionen, die bisher von der alten ideologischen Feindschaft profitiert haben – in den Geheimdiensten und dem Militär. So kommt es zu der absurd anmutenden Erkenntnis, daß CIA und KGB die selben Ziele verfolgen und vor keinem noch so brutalem Menschenopfer zurückschrecken. Was die Freude an dem Roman ein wenig dämpft, sind die Figuren: Die „Bösen“ sind wie immer bei Littell wunderbar gelungen, spöttisch und ironisch versteht er es, die Abgründe persönlicher Eitelkeiten mit fragwürdigen politischen Zielen in Personen glaubhaft lebendig werden zu lassen. Die „Helden“ dagegen – oh je! Ben Bassett bleibt völlig blass, ein Mann von fadenscheinigen Eigenschaften, und die Figur der engagierten Dichterin Sawaskaja ist Kitsch hoch drei, eine Konstruktion von dem, was der Autor für edel und gut hält. Bäh!  

Ist das ein gutes Buch? Robert Littell (10): Moskau, mon amour, 1991

Ist das ein gutes Buch? Robert Littell (9): Spion im Spiegel, 1990

Robert Littell: Spion im Spiegel (The once and future spy). – München: Goldmann, 1992.

Wanamaker und Sibley, beide in unterschiedlichen Abteilungen der CIA beschäftigt, kennen sich schon seit Studientagen und sind sich aus verschiedenen Gründen nicht gerade zugetan. Als sie sich einmal zufällig begegnen, flammt die alte Abneigung besonders bei Sibley wieder auf, und er beschließt, nachzuforschen, woran Wanamaker gerade arbeitet, was dank der neusten Abhörtechnik seiner Abteilung auch gar nicht schwer ist. Und tatsächlich: Wanamaker plant offensichtlich eine streng geheime, illegale, aber von hoher Stelle abgesegnete Aktion, die nicht nur viele Leben kosten, sondern ganze Landstriche über Jahrzehnte verwüsten würde. Sibley, der sich als Moralist versteht, beschließt einzugreifen: Er schickt Wanamaker anonym kleine Memos, in denen steht, daß er Bescheid weiß. Panisch beauftragt Wanamaker den pensionierten und reaktionären Admiral Pepper, das Leck zu finden. Bald sind sie Sibley auf der Spur und trachten nach seinem Leben …


Robert Littell glücklicherweise wieder auf der Höhe seines Könnens: Ein Meister darin, glaubwürdig und nachvollziehbar die persönlichen Macken und neurotischen Verschrobenheiten der Herren und Damen Geheimagenten mit ihren politischen amoralischen Plänen zu verquicken. Die Gefahren, die von ihnen ausgehen, sind für sich genommen scheinbar völlig absurd, doch Littell schafft es ganz beiläufig und amüsant, einen zu überzeugen, daß alles genau so passieren könnte, wie er es entwickelt. Hut ab!

Ist das ein gutes Buch? Robert Littell (9): Spion im Spiegel, 1990

Ist das ein gutes Buch? Robert Littell (8): Roter Winter, 1988

Robert Littell: Roter Winter (The revolutionist). – München: Goldmann, 1990

Alexander „Sander“ Til, Sohn russischer Einwanderer, wird im Jahre 1917 in den Vereinigten Staaten vom FBI wegen anarchistischer Propaganda gesucht. Er schließt sich dem gerade auf Vortragsreise tourenden Trotzki an und begleitet ihn zurück nach Rußland, wo gerade die Revolution ausgbrochen ist. Er lernt Lenin und Stalin und all die anderen Bolschewisten kennen, kämpft an ihrer Seite gegen die Weißrussen, erlebt alle Gräuel des Bürgerkrieges, leidet unter dem weißen und später unter dem roten Terror, verliert seine große Liebe, überlebt knapp die stalinistischen „Säuberungsaktionen“ und ist zum guten Schluß maßgeblich an der Einführung der sogenannten Tauwetterperiode durch Chrustschow beteiligt.

Kampf, Liebe, Freundschaft und ihr Verrat, ebenso der Verrat einstiger Ideale, Mißwirtschaft, Korruption und Tod – das sind die Themen dieses großangelegten historischen Romans über die russische Revolution, der leider so mies geschrieben ist, daß es eine Qual ist, die über 400 eng bedruckten Seiten durchzuhalten, allenfalls unfreiwilliger Humor muntert einen manchmal ein bißchen auf. Dieser Roman ist sprachlich und stilistisch absoluter Schund. Kleines Beispiel gefällig? „Sander setzte sich dicht neben sie auf den Boden und merkte plötzlich, daß er auf ihre Brüste unter dem Khakihemd starrte, die sich ruhig hoben und senkten. Plötzlich erkannte er, daß sie sinnlich war, ohne dessen gewahr zu sein – so sinnlich wie Schnee oder die wellige Flut eines seichten Baches. Ihn übermannte das Verlangen, ihre Kühle zu fühlen und ihre Feuchtigkeit zu kosten. Ohne nachzudenken griff er zu und machte den nächsten Knopf ihres Hemdes auf. Ihre Augen öffneten sich jäh. Sie benetzte mit der Zunge ihre Oberlippe. […]“ usw.
„Ich wollte darauf hinweisen, wie das größte politische Experiment des zwanzigsten Jahrhunderts gründlich mißlang“, schreibt der Autor im Nachwort. Gründlich mißlungen ist leider auch dieser Roman.

Ist das ein gutes Buch? Robert Littell (8): Roter Winter, 1988

Ist das ein gutes Buch? Robert Littell (7): Der Töpfer, 1986

Robert Littell: Der Töpfer (The sisters). – München: Goldmann, 1986. – Neu aufgel. u.d.T.: Tod und Nacht. – München: Knaur, 2005.

Die beiden CIA-Agenten Francis und Carroll, genannt die „Schwestern“ (nach einem Gedicht mit dem Titel „Die Schwestern Tod und Nacht“), haben nur eine – undurchsichtige – Aufgabe: Sie sollen Komplotte schmieden. Da sie schon lange keinen größeren Coup mehr gelandet haben und langsam aufs Altenteil geschoben werden sollen, tüfteln sie etwas aus, wovon, so behaupten sie jedenfalls großspurig, noch die ganze Welt sprechen wird. Damit ihr Plan gelingt, brauchen sie jemanden, der nicht weiß, daß er in ihren Diensten handelt: Einen in die USA eingeschleusten sowjetischen Schläfer, der einen scheinbar von den russischen Geheimdiensten ausgearbeiteten Auftrag ausführen soll. Wie aber kommt man an einen solchen heran? Man verhilft dem ehemaligen und inzwischen in Ungnade gefallenen Ausbilder der Schläfer Felix Arkantewitsch, genannt der „Töpfer“, zum Überlaufen in den goldenen Westen – und nötigt ihn zur Preisgabe der Daten seines besten Schülers und Freundes. Der Töpfer wundert sich nur ein wenig darüber, wieso die eigenen Agenten ihn so bereitwillig durch ihr Netz rutschen lassen, und versucht, seinen von ihm verratenen Freund zu warnen – zu dem Zeitpunkt kann er noch nicht wissen, daß auch die Russen ein großes Interesse am Gelingen des Plans der Schwestern haben.

Was in der Zusammenfassung vielleicht kompliziert klingt, erschließt sich im Buch folgerichtig und mit Bedacht, ein Wechselspiel gegenseitiger zynischer Manipulationen ohne Rücksicht auf Menschenleben, Moral oder Konsequenzen führt schließlich dazu, daß ein hoher amerikanischer liberaler Politiker liquidiert wird. Wer das ist, wird schnell klar, obwohl Littell den Namen nicht einmal nennt, der Goldmannverlag ist sich allerdings nicht zu blöde, auf den Umschlag zu schreiben: „Der Schlüsselroman zur Ermordung John F. Kennedys.“ Aber gerade darauf kommt es Littell gar nicht an: Er will die Strukturen aufzeigen, in denen so etwas passiert (und immer wieder passieren kann!), und nicht historische Wahrheiten behaupten. Es hätte so passiert sein können – wer sich genauer für die immer noch nicht restlos aufgeklärte Ermordung Kennedys interessiert, sollte besser den Roman „7 Sekunden“ von Don DeLillo lesen.
Der Roman  „Der Töpfer“ hat nicht ganz das Tempo seines Vorgängers, aber die Figuren stimmen und vor allem der Ton: Im inzwischen gewohnt ironischem und bissigem Stil geschrieben ist es ein Vergnügen, den Weg der Protagonisten bis zum pessimistischen Ende zu verfolgen.

Ist das ein gutes Buch? Robert Littell (7): Der Töpfer, 1986